19.01.2019

Filmvorführung: Solaris

Seit seinem Filmdebüt bei Mosfilm versuchte Tarkowski den immer noch gängigen und von staatlichen Behörden gern gesehenen sozialistischen Realismus in seinen Filmen zu abstrahieren und stattdessen einen radikalen Realismus zu präsentieren. Mosfilm reagierte darauf mit Budgetkürzungen und Zensur. Dennoch versprach man sich seitens Mosfilm vom Kinostreifen Solaris einen grossen Publikumserfolg, der auch die Kassen füllen sollte. Tarkowksi hatte also freie Hand bei der Verfilmung des gleichnamigen Science-Fiction-Romans von Stanisław Lem.

Der Mensch, sein Handeln und dessen Folgen stehen im Vordergrund des künstlerisch adaptierten Science-Fiction-Films, der - wie alle auf literarischen Vorlagen basierenden Filme Tarkowskis -  stark an die eigenen Vorstellungen des Regisseurs angepasst wurde. Die Handlung dreht sich um den Psychologen Kelvin, der auf die Raumstation Solaris entsendet wird, um die emotional chaotische Situation unter den dortigen Wissenschaftlern zu lösen. Allesamt werden von Projektionen verstorbener Menschen aus ihren persönlichen Erinnerungen heimgesucht, die auf mysteriöse Weise in Form von Geistern auf der Raumstation erscheinen und dort eine psychisch-emotionale Konfrontation auslösen.

Tarkowski möchte in seiner avantgardistischen Version des damals beliebten und bekannten Science-Fiction-Romans verschiedene psychologische Phänomene des menschlichen Bewusstseins analysieren. Dadurch werden auch religiöse und moralische Themengebiete angesprochen. Vorrangig ist dabei die Verbindung zwischen Zeit und Erinnerung, die Tarkowski immer beschäftigte. Eine Welt zwischen Illusion und Identität zeichnet sich in Solaris ab und wird filmisch durch die Einbindung von intermedialen Themengebieten verdeutlicht. Sowohl Literatur als auch bekannte Gemälde werden aktiv und passiv in das Filmgeschehen eingebunden und leiten die Tragödie durch die einzelnen psychischen Phasen.

Mit einer Einleitung von Heinz Bösch

Datum: Sa. 19.01.2019
Zeit: 17:00 (Dauer des Filmes 167 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com 

 

30.01.2019

Filmvorführung: Der Spiegel

Der teilweise auf biografischen Fakten und Erinnerungen des Regisseurs basierende Film Der Spiegel zeigt historische Ausschnitte von Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er kann auch als Filmgedicht und Filmdrama bezeichnet werden.

Gezeigt wird das Leben des Protagonisten Alexei, der als Kind zusammen mit seiner Familie aus dem heimatlichen Dorf nach Moskau zieht und zu Kriegszeiten wieder aufs Land evakuiert wird. Die Rückkehr des Vaters aus dem Krieg sowie einzelne Kindheitserinnerungen an die Kriegszeit und die Höhen und Tiefen seines privaten Lebens als Erwachsener werden thematisiert. Diese weisen Parallelen zu Tarkowskis eigener Biografie auf.

Auch in diesem Film bedient sich Tarkowski sowohl farbiger als auch monochromer Bildmitschnitte. Die Schwarzweissaufnahmen zeigen durch eine gewisse Entrückung die kindlichen Erinnerungen des Helden und lassen menschliche Beziehungen, tiefe Emotionen, alltägliche Situationen und Probleme real und nachvollziehbar wirken. Szenische Besonderheiten sind unter anderem der Perspektivenwechsel, der sich etwa zu Mitte des Films das erste Mal vollzieht: Der Charakter des jungen Alexei wächst zu einem erwachsenen Mann heran, doch der Schauspieler bleibt der gleiche  und spielt fortan in den Gegenwartsszenen Ignat, den Sohn des Erzählers. Die Schauspielerin, die die Mutter Alexeis spielt, nimmt auch die Rolle der Ehefrau des Protagonisten ein.

Dieser exzentrische Kunstgriff zeugt von den Strategien der Zeit - trotz wachsamer Kontrollbehörden und starker Zensur - die eigene künstlerische Botschaft zu transportieren. In diesem Film zeigt sich deutlich Tarkowskis Absicht, seine eigenen Filme vom sowjetischen Kinostandard zu lösen und wahre Emotionen zu produzieren. Tarkowskis erklärtes Ziel ist nicht nur das praktische Erforschen künstlerisch-formaler Mittel, sondern auch das echte Leben zu porträtieren, so dass es für den Betrachter, der bereit ist sich auf ungesehene Bilder und unbekannte Muster einzulassen, erfahrbar wird.

Mit einer Einleitung von Mikhail Shishkin (Schriftsteller)

Datum: Mi. 30.01.2019
Zeit: 19:00 (Dauer des Filmes 108 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com 

 

09.02.2019

Filmvorführung: Stalker

Der letzte Film Tarkowskis bei Mosfilm macht bereits die kritische und abweisende Haltung des Regisseurs gegenüber den Zuständen und Arbeitsbedingungen seines aktuellen Standes deutlich.

Handlungsort des Films ist eine kleine Stadt am Rand einer 'Zone', von der eine unerklärliche und widernatürliche Auswirkung auf das Leben der Menschen ausgeht. Held der Geschichte ist der Stalker selbst, der Menschen in die 'Zone' führt und sie dort vor Gefahren schützt. Seine Familie, Frau und Tochter, zeigen sichtbare Spuren von den Auswirkungen der 'Zone'. Die Tochter des Stalkers ist stumm und gehbehindert. Obwohl die Ehefrau inständig darum bittet, dass die Exkursionen ein Ende haben mögen, führt der Stalker zwei Interessierte, einen Schriftsteller und einen Professor, in die 'Zone'. Diese haben unterschiedliche Beweggründe, aber dasselbe Ziel. Das heisst, sie begeben sich auf die Reise zu einem Zimmer, welches alle Wünsche der Eintretenden erfüllen soll. Damit beginnt gleichzeitig eine innere Reise, bei der Weltbilder und philosophische Ansichten hinterfragt werden. Weil die Dreiergruppe nicht genug Mut und Glauben besitzt, muss sie enttäuscht zurückkehren.

Die entschleunigenden 163 Minuten des Films vermitteln trotz der düsteren Endzeitstimmung eine lebensbejahende Hoffnung. Zur düsteren Atmosphäre tragen die melancholischen Gedichte des Vaters Arseni Tarkowski bei, die an gewissen Stellen ins Filmgeschehen eingebunden sind, wie auch die karge Landschaft und die braune und dunkelviolette Einfärbung der Schwarzweisseinstellungen.

Die Struktur des Films ist vergleichsweise einfach gehalten, der Fokus liegt auf den Gesprächen und den im Gespräch erarbeiteten philosophischen Ansätzen.

Datum: Sa. 09.02.2019
Zeit: 17:00 (Dauer des Filmes 163 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com 

 

24.02.2019

Filmvorführung: Nostalghia

Von Restriktionen, Schwierigkeiten und bürokratischen Hindernissen gebremst, fährt Tarkowski nach Italien, um dort mit seinem Förderer und Freund Tonino Guerra den bewegenden Film Nostalghia zu drehen.

Das russische ностальгия meint wie das italienische nostalgia nicht etwa die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, sondern ein Gefühl von 'Heimweh'. Der Film handelt vom Exil und der Sehnsucht nach Heimat. Tarkowski glaubt, das russische Volk habe eine besondere Verbundenheit zum Ort der Geburt. Er setzt sich mit dem quälenden Exil auseinander, das viele Russen auch in der bildenden Kunst und Literatur seit dem späten 17. Jahrhundert beschäftigte. Er selbst gibt zum Abschluss der Dreharbeiten bekannt, er werde nicht mehr in die Sowjetunion zurückkehren.

Nostalghia erzählt von der Reise des russische Schriftsteller Andrei nach Italien, um dort Nachforschungen zu einem russischen Komponisten des 18. Jahrhunderts zu tätigen. Dieser Komponist beendete - aus Liebe zur Heimat - seine erfolgreiche Karriere in Italien, um nach Russland zurückzukehren. Dort ging er nach mehreren Missgeschicken und einer unglücklichen Liebe schließlich zu Grunde.

Mit dem recherchierenden Schriftsteller reist die italienische Dolmetscherin Eugenia. Zwischen Andrei und Eugenia entsteht ein emotionaler Konflikt. Die allgemeine Situation Andreis artet in einer kritisch hinterfragenden Desorientierung aus.

Tarkowski produziert in diesem ausdrucksstarken Film unter anderem sehr schöne Landschaftsbilder der Gegend um Siena. Die ländliche Umgebung, die Ruine der Abtei San Galgano sowie ortsunbezogene russische Bauernhäuser schaffen einen undurchsichtigen Seelenspiegel der Charaktere.

Datum: So. 24.02.2019
Zeit: 11:00 (Dauer des Filmes 121 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com 

 

17.03.2019

Filmvorführung: Das Opfer

Tarkowskis letzter Film, Das Opfer, war für ihn nicht nur ein Spiegel der Wirklichkeit, sondern auch eine Parabel. Über sein früheres Ideal hinaus, das wahre Leben zu zeigen und zu reflektieren, entwickelte sich die fantastische Poesie des Films zu einer gesellschaftskritischen Aufklärung.

Der wohlhabende und gesetzte Alexander erfährt durch seinen Hausarzt vom baldigen und unausweichlichen Ende seines Lebens durch Krebs. Verzweifelt legt der Kranke ein Gelübde ab, alles zu opfern, das ihm lieb ist, sofern er nur geheilt würde. Bei seiner anschliessend stattfindenden Geburtstagsfeier überbringt ihm ein Mittler die Nachricht, er müsse zu einer als Hexe angesehenen Frau gehen und sich ihr hingeben, um sich selbst und die Welt zu retten. Schweigend folgt Alexander der Aufforderung und erlebt bald darauf seine vollständige Genesung. Als Reaktion darauf vollzieht er sein Gelübde und steckt sein Landhaus in Brand.

Die Ursprungsidee zum Film kam Tarkowski bereits in der Sowjetunion, und zwar wie eine Ahnung seines eigenen qualvollen Todes durch Krebserkrankung. Das religiöse Opfer in vollständiger Abkehr von jedweder Art menschlichen Egoismus übte eine grosse Faszination auf den Tarkowski aus. Das Ideal des freien und reinen Existentialismus inspirierte ihn und entwickelte sich schon bald zu einer moralischen Gesellschaftskritik. Tarkowski fordert den Betrachter auf, sich von fortschrittlicher Abhängigkeit zu lösen und sich zurück zur geistigen Verantwortung zu begeben. Er klagt das materialistisch-kapitalistische Prinzip „Geld gegen Ware“ an, mit dem sich der Mensch emotionale Grundbedürfnisse, wie die Liebe und emotionale Ausgeglichenheit, nicht erkaufen könne und somit auch keinen Seelenfrieden finden werde.

Datum: So. 17.03.2019
Zeit: 11:00 (Dauer des Filmes 149 min)
Ort: Grossmünster Kapelle - Eingang Helferei / 
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
Eintrittspreise: Fr. 25.- / 15.- Legi inkl. Umtrunk
Bitte reservieren: akka@kulturatelier.com / info@stiftungak.com